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Belegerfassung mit KI: was sie Ihnen abnimmt und was bei Ihnen bleibt

Rechnungen auslesen kann eine KI heute gut, und das spart jeden Monat echte Zeit. Buchen sollte sie trotzdem nicht, denn für die Zuordnung einer Rechnung haften Sie.

6 Minuten Lesezeit

Belegerfassung gehört zu den Arbeiten, die niemand gern macht und die dennoch jeden Monat anfallen: Rechnung öffnen, Lieferant erkennen, Rechnungsnummer abtippen, Betrag abtippen, Datum abtippen, Kostenart wählen, buchen. Bei achtzig Belegen im Monat kommen so ein paar Stunden reine Übertragung zusammen.

Das Übertragen kann KI heute gut, den Rest nicht. Wo die Linie zwischen beidem verläuft, bestimmt, ob Ihnen so ein Feature hilft oder ob es Sie in ein paar Monaten teuer beschäftigt. Um diese Linie geht es hier.

Was ausgelesen wird

Wenn Sie eine Rechnung ablegen, liest die KI vier Felder heraus:

  • Lieferant: wer die Rechnung stellt
  • Rechnungsnummer: die Nummer des Ausstellers
  • Betrag: brutto, wie ausgewiesen
  • Datum: das Rechnungsdatum

Die Auswahl ist Absicht. Alle vier Werte stehen eindeutig auf dem Dokument; man kann sie ablesen und muss nichts erschließen. Ein Modell, das sie herausliest, erledigt dieselbe Übertragung, die sonst Ihre Finger machen, nur schneller und ohne Zahlendreher.

Danach hört es auf. Die ausgelesenen Werte erscheinen bei Ihnen zur Prüfung, Sie korrigieren, was falsch ist, und dann buchen Sie selbst. Eigenständig bucht die KI nie.

Warum genau dort die Grenze liegt

Für diese Grenze gibt es drei konkrete Gründe.

Die Zuordnung zur Kostenart ist eine Entscheidung, keine Ablesung. Eine Handwerkerrechnung über 4.200 € kann Instandhaltung oder Instandsetzung sein, laufender Aufwand oder eine Entnahme aus der Rücklage. Auf dem Beleg steht davon nichts. Die Antwort findet sich in einem Beschluss oder in einem Angebot, oder sie ergibt sich aus einem Zusammenhang, den Sie kennen und den das Dokument nicht enthält.

Die Kostenart bestimmt den Verteilerschlüssel, und der bestimmt, wer zahlt. Eine falsch zugeordnete Rechnung wird nach dem falschen Schlüssel verteilt. Bei der Buchung merkt das niemand. Auffallen wird es erst in der Jahresabrechnung, bei dreißig Eigentümern, von denen einer nachrechnet.

Haften müssen Sie. Wird eine Abrechnung angefochten, wollen Sie sich nicht auf „die Software hat das so vorgeschlagen" berufen müssen. Der Vorschlag muss deshalb sichtbar ein Vorschlag bleiben, und die Buchung muss Ihre eigene Handlung sein.

Bei jedem KI-Feature in der Verwaltung lohnt deshalb die Frage, wer verantwortlich ist, wenn es danebenliegt. Lautet die Antwort, dass Sie es sind, dann gehört auch der letzte Klick Ihnen.

Wo die Erkennung gut ist und wo nicht

So sieht es in der Praxis aus, nach Art des Belegs:

Beleg Erkennung
Rechnung als PDF, digital erzeugt sehr zuverlässig
Sauberer Scan, gerade, 300 dpi zuverlässig
Handyfoto, gerade, gut ausgeleuchtet meist brauchbar
Handyfoto schräg, Schatten, Knick wechselhaft
Thermopapier-Beleg, verblasst schlecht
Handschriftliche Quittung nicht erwarten

Was daraus folgt, klingt banal und bringt am meisten: Die Qualität der Eingabe entscheidet. Bitten Sie Ihre Handwerker, Rechnungen als PDF zu mailen statt als Foto zu schicken. Das verbessert die Erkennung mehr als jeder Modellwechsel.

Beim Betrag lohnt ein zweiter Blick, wenn ein Beleg mehrere Summen enthält, etwa Zwischensumme, Skonto und Gesamtbetrag. Bei der Rechnungsnummer gilt dasselbe, sobald der Aussteller mehrere Nummern führt (Rechnungs-, Kunden-, Auftragsnummer). An diesen beiden Stellen greift ein Modell plausibel daneben, und deshalb prüfen Sie genau dort.

Was es tatsächlich spart

Pro Beleg entfällt das Abtippen von vier Feldern. Misst man es nach, sind das dreißig bis fünfundvierzig Sekunden. Die Prüfung der ausgelesenen Werte kostet fünf bis zehn Sekunden, sodass netto etwa eine halbe Minute pro Beleg übrig bleibt.

Bei achtzig Belegen im Monat macht das rund vierzig Minuten. Bei achthundert Belegen, also einem größeren Bestand mit mehreren Objekten, sind es sieben Stunden.

Ihren Alltag stellt das nicht auf den Kopf. Spürbar ist es trotzdem, zumal die gesparte Zeit aus der langweiligsten Arbeit des Monats stammt. Wer Ihnen mehr verspricht, hat entweder die Prüfung nicht eingerechnet oder geht davon aus, dass Sie gar nicht prüfen.

Schwerer zu messen ist der Effekt auf die Fehlerquote. Ein Modell vertauscht keine Ziffern, weil es müde ist, und Zahlendreher bei Beträgen sind der Fehler, der in der Abrechnung am unangenehmsten auffällt.

Was daneben noch geht

Bei der Belegerfassung rechnet es sich am deutlichsten, aber dieselbe Logik trägt auch an anderen Stellen:

  • Dokument-Vorschläge: Zu einem hochgeladenen Dokument schlägt die KI einen Titel, eine kurze Zusammenfassung und Metadaten vor. Sie übernehmen oder verwerfen; von selbst wird nichts zugeordnet.
  • Mängel-Triage: Bei einer neuen Mängelmeldung werden Kategorie, Dringlichkeit und mögliche Duplikate vorgeschlagen, dazu ein Entwurf für die erste Antwort. Solange Sie nicht bestätigen, ändert sich nichts.
  • Entwürfe: Für Mängelverläufe und Mitteilungen schlägt die KI einen Text in korrekter Sie-Form vor. Sie bearbeiten ihn und senden ihn ab; von selbst geht nichts hinaus.

In allen drei Fällen macht die Software Vorschläge und führt nichts selbst aus, und das ist so gewollt. Ein System, das in der Verwaltung selbstständig handelt, nimmt Ihnen die Verantwortung nicht ab. Es macht nur schwerer nachvollziehbar, wie eine Entscheidung zustande kam.

Die drei Fragen an jeden Anbieter

Wenn Sie KI-Funktionen bewerten, kommen Sie mit drei Fragen weit:

  1. Bucht, verschickt oder ändert das System etwas ohne meine Bestätigung? Wenn ja, unter welchen Umständen genau?
  2. Wo werden die Belege verarbeitet? Rechnungen enthalten personenbezogene Daten. Werden sie außerhalb der EU verarbeitet, brauchen Sie eine Rechtsgrundlage und einen AV-Vertrag, der das abdeckt.
  3. Werden meine Daten zum Training verwendet? Gut ist allein die Antwort Nein, und die sollte im Vertrag stehen. Eine Zusage auf einer Marketingseite genügt dafür nicht.

Unsere eigenen Antworten auf diese Fragen: Die KI-Funktionen sind optional, und die Verwaltung schaltet sie selbst ein. Die Textverarbeitung läuft über einen Auftragsverarbeiter in Deutschland, ausschließlich auf Servern innerhalb der EU und auf Grundlage eines AV-Vertrags nach Art. 28 DSGVO. Die Inhalte werden nicht zum Training von KI-Modellen verwendet. Die Nutzung erfassen wir verbrauchsgenau, statt sie in einer Pauschale aufgehen zu lassen. Nachzulesen ist das in unserer Datenschutzerklärung.

Der Praxistest, bevor Sie sich entscheiden

Nehmen Sie zwanzig Belege aus dem letzten Monat, einen echten Querschnitt und nicht die schönsten. Lassen Sie sie durchlaufen und zählen Sie, wie oft Sie korrigieren mussten.

Unter zwei von zwanzig ist gut. Liegen Sie über fünf von zwanzig, prüfen Sie zuerst Ihre Eingabequalität, bevor Sie die Software verantwortlich machen.

Achten Sie dabei auch darauf, wie sich das Korrigieren anfühlt. Ein Feld zu überschreiben muss schneller gehen, als es selbst zu tippen. Dauert es länger, hat Ihnen die Automatisierung mehr Arbeit gemacht, als sie Ihnen abgenommen hat.

Wo KI in der Verwaltung sonst noch hilft und wo sie Verkaufsprosa bleibt, beschreibt der Artikel Was KI in der Hausverwaltung heute wirklich kann.

Geschrieben von

Andreas Hartmann

Gründer von Condomana und Geschäftsführer der nelo digitalagentur in Ulm.

Im Produkt

So sieht das in Condomana aus

Belegerfassung

Legen Sie eine Rechnung ab, und die KI liest Lieferant, Rechnungsnummer, Betrag und Datum zur Prüfung für Sie aus. Sie korrigieren, was nötig ist, und buchen selbst. Die KI bucht nie eigenständig.

Buchungen & Anfangsbestände

Ein Buchungsjournal je Objekt, mit den bei der Umstellung übernommenen Anfangsbeständen, damit eine Abrechnung vom ersten Tag an auf echten Zahlen steht.

Verteilerschlüssel & Kostenarten

Verteilen Sie nach Miteigentumsanteil (MEA), zu gleichen Teilen oder nach einem eigenen Schlüssel je Einheit. Auf den Cent genaue Rundung nach dem größten Rest, sodass jede Verteilung bis auf den letzten Cent aufgeht.

Dieser Artikel erklärt, wie wir die Software bauen und wie die Arbeit üblicherweise organisiert ist. Er ist keine Rechtsberatung. Für eine Entscheidung, die von den Besonderheiten Ihrer Gemeinschaft abhängt, fragen Sie eine Anwältin oder einen Steuerberater.

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