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Ratgeber

Was KI in der Hausverwaltung heute wirklich kann

Auf Messeständen wird KI als Revolution verkauft, in vielen Verwalterbüros gilt sie als Unfug. Tatsächlich spart sie ein paar Stunden im Monat, und zwar an Stellen, die sich genau benennen lassen.

6 Minuten Lesezeit

Auf jeder Immobilienmesse steht inzwischen „KI“ auf jedem zweiten Banner, und in jedem zweiten Verwalterbüro hält man das für Unsinn. Beide Seiten haben ein bisschen recht, und beide Haltungen kosten Geld: Die eine kauft zu viel, die andere lässt eine echte Entlastung liegen.

Im Folgenden geht es darum, was heute funktioniert, was nicht, und woran man den Unterschied erkennt, bevor man dafür bezahlt hat.

Die eine Unterscheidung, auf die es ankommt

Mit einer einzigen Trennlinie lässt sich jedes Feature in dreißig Sekunden einordnen:

KI ist gut darin, etwas abzulesen oder zu formulieren. Sie ist schlecht darin, etwas zu entscheiden, das von Kontext abhängt, der nicht im Dokument steht.

Ablesen heißt zum Beispiel: Welcher Betrag steht auf dieser Rechnung? Formulieren heißt: Aus diesen Stichpunkten wird eine höfliche Nachricht in Sie-Form. In beiden Fällen steckt die Antwort schon im Material.

Anders beim Entscheiden, etwa bei der Frage, ob diese Handwerkerrechnung Instandhaltung oder Instandsetzung ist. Auf dem Beleg steht das nicht. Es steht in einem Beschluss oder einer Absprache, oder es ergibt sich aus einer Vorgeschichte, die nur Sie kennen. Ein Modell, das hier antwortet, rät. Die Antwort klingt plausibel und ist flüssig formuliert, und sie kommt mit derselben Sicherheit wie in den Fällen, in denen das Modell richtig liegt. Alle folgenden Abschnitte wenden diese Regel an.

Was heute wirklich trägt

Am klarsten ist der Fall beim Auslesen von Belegen. Lieferant, Rechnungsnummer, Betrag und Datum sind vier Felder, die auf dem Dokument stehen. Netto, also nach Ihrer Prüfung, spart das etwa eine halbe Minute pro Beleg, und bei achthundert Belegen im Jahr ergibt das einen Arbeitstag. Ausführlich beschrieben ist das in Belegerfassung mit KI.

Ebenfalls Ablesen ist es, zu einem hochgeladenen PDF einen Titel, eine kurze Zusammenfassung und Metadaten vorzuschlagen. Nützlich ist das vor allem, weil die Ablage dadurch überhaupt gepflegt wird. Ein Dokument, dessen Benennung dreißig Sekunden kostet, wird sonst „später“ benannt und dann nie.

Beim Entwerfen von Texten hilft sie zum Beispiel bei der Antwort an einen Eigentümer, der zum vierten Mal wegen desselben Mangels schreibt. Was drinstehen muss, wissen Sie. Die Arbeit steckt in der Formulierung, und die fällt schwer, wenn man gereizt ist. Einen Entwurf zu überarbeiten geht hier schneller, als vor einem leeren Feld zu sitzen.

Beim Vorsortieren einer neuen Mängelmeldung schlägt die KI Kategorie und Dringlichkeit vor und sucht nach möglichen Duplikaten. Die Duplikate sind dabei das Wertvollste. Drei Eigentümer melden dasselbe defekte Garagentor in drei verschiedenen Formulierungen, und eine Volltextsuche findet das nicht.

Schließlich kann KI Fragen aus Dokumenten beantworten. Ein Eigentümer fragt, was in der Versammlung zur Fassade beschlossen wurde, und die Antwort steht im Protokoll, das er selbst einsehen darf. Das ist eine Suchaufgabe mit Formulierung. Voraussetzung ist, dass das System nur aus den Dokumenten antwortet, die dieser Eigentümer sehen darf, dass es die Quelle nennt und ehrlich „weiß ich nicht“ sagt, wenn die Antwort nicht in den Unterlagen steht.

Was nicht trägt

Vollautomatisches Buchen gehört dazu, aus dem oben genannten Grund. Die Kostenart ist eine Entscheidung, an ihr hängt der Verteilerschlüssel und am Schlüssel, wer zahlt. Ein Fehler fällt erst in der Jahresabrechnung auf, vor dreißig Eigentümern.

Automatisch versandte Antworten sind technisch trivial und praktisch eine schlechte Idee. Eine einzige Nachricht, die im falschen Ton an den falschen Eigentümer geht, kostet mehr Zeit, als hundert Entwürfe gespart haben, und Sie erfahren davon zuerst vom Beirat.

Auch das Versprechen „KI erstellt Ihre Jahresabrechnung“ hält nicht. Eine Jahresabrechnung ist eine Rechenaufgabe mit gesetzlichen Vorgaben. Zuverlässig wird sie durch eine korrekte Verteilungslogik, centgenaue Rundung und die Unveränderlichkeit nach der Freigabe. All das baut man deterministisch, weil es deterministisch sein muss, und an dieser Stelle ist KI schlechter als schlichte Arithmetik.

„KI prüft Ihre Beschlüsse auf Rechtssicherheit“ wäre Rechtsberatung. Ein Modell kann die typischen Formfehler benennen, und als Hinweis ist das nützlich. Ob dieser Beschluss in dieser Gemeinschaft anfechtbar ist, kann es Ihnen nicht sagen, und ein Anbieter, der das andeutet, verkauft Ihnen ein Risiko.

Bleiben Prognosen aus Ihren Daten, etwa „KI sagt Ihnen den Instandhaltungsbedarf voraus“. Für eine Verwaltung mit vierzig Objekten fehlt dafür die Datengrundlage. Statistik braucht Fälle, und Ihre Fälle sind zweistellig.

Die Frage, die den Unterschied macht

Wenn Ihnen jemand ein KI-Feature vorführt, fragen Sie: Was passiert ohne meine Bestätigung?

Lautet die Antwort „nichts“, ist das Feature im schlimmsten Fall nutzlos. Es schlägt etwas Falsches vor, Sie verwerfen es und haben zehn Sekunden verloren.

Bei jeder anderen Antwort hat sich Ihre Haftungslage geändert, ohne dass es im Vertrag steht. Für die Buchung, die Abrechnung und die Mitteilung bleiben Sie verantwortlich. Nur haben Sie sie nicht mehr selbst gemacht und können nicht mehr genau sagen, warum sie so aussieht.

Deshalb folgen alle unsere KI-Funktionen demselben Muster: Sie schlagen vor und führen nie selbst aus. Die Belegerfassung liest aus, und gebucht wird von Ihnen. Die Triage macht einen Vorschlag, den Sie bestätigen, und einen Entwurf schicken Sie selbst ab. Technisch wäre mehr möglich. Wir halten es so, weil ein Verwalter für seine Handlungen einstehen können muss.

Datenschutz, kurz und praktisch

Bevor eine KI-Funktion an echten Daten arbeitet, sollten Sie drei Dinge klären.

Zuerst, wo verarbeitet wird. Mängelmeldungen, Dokumente und Anfragen enthalten personenbezogene Daten. Werden sie außerhalb der EU verarbeitet, brauchen Sie eine tragfähige Rechtsgrundlage; innerhalb der EU ist es einfacher.

Dann, ob es einen AV-Vertrag gibt, der den KI-Anbieter einschließt. Ihr Softwareanbieter ist Auftragsverarbeiter, und der KI-Anbieter dahinter ist es auch. Beides muss in Ihren Unterlagen stehen.

Und schließlich, ob Inhalte zum Training verwendet werden. Akzeptabel ist nur ein Nein, und das gehört in den Vertrag und nicht bloß auf eine Marketingseite.

Unsere Antworten stehen in der Datenschutzerklärung: Verarbeitung über einen Auftragsverarbeiter in Deutschland, ausschließlich auf Servern in der EU, AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO und keine Nutzung zum Training. Einschalten muss die Verwaltung die Funktionen selbst; wir tun das nicht für sie.

Was das realistisch bringt

Für eine Verwaltung mit dreißig bis fünfzig Objekten, deren Daten schon digital vorliegen, sieht das etwa so aus:

Funktion Ersparnis Woran es hängt
Belege auslesen 3–7 Std./Monat Qualität der eingehenden Belege
Dokumente beschreiben 1–2 Std./Monat wie viel abgelegt wird
Entwürfe für Antworten 1–3 Std./Monat wie viel Sie ohnehin schreiben
Mängel vorsortieren schwer messbar Größe des Meldungsaufkommens

Zusammen ergibt das knapp einen Arbeitstag im Monat. Das ist ordentlich, verändern wird sich Ihre Verwaltung aber an anderen Stellen.

Mehr bringen ein Eigentümerportal, das Anrufe abfängt, eine Dokumentenablage, in der niemand mehr suchen muss, und eine Beschluss-Sammlung, die sich selbst nummeriert. Auf ein Messebanner schafft es nichts davon, zusammengenommen ist es aber deutlich mehr wert.

Dazu kommt eine Reihenfolge, an der sich nichts verhandeln lässt. KI setzt an strukturierten Daten an, mit einem Aktenschrank kann sie nichts anfangen. Wer mit dem KI-Modul anfängt, kauft also ein Feature, das auf seinen Daten nicht laufen kann. Wo man stattdessen anfängt, steht im ehrlichen Fahrplan.

Geschrieben von

Andreas Hartmann

Gründer von Condomana und Geschäftsführer der nelo digitalagentur in Ulm.

Im Produkt

So sieht das in Condomana aus

Belegerfassung

Legen Sie eine Rechnung ab, und die KI liest Lieferant, Rechnungsnummer, Betrag und Datum zur Prüfung für Sie aus. Sie korrigieren, was nötig ist, und buchen selbst. Die KI bucht nie eigenständig.

Dokument-Vorschläge

Zu einem hochgeladenen Dokument schlägt die KI Titel, kurze Zusammenfassung und Metadaten vor, die Sie übernehmen oder verwerfen. Sie ordnet nichts von selbst zu.

Mängel-Triage

Wenn ein Mangel gemeldet wird, schlägt die KI Kategorie, Dringlichkeit und mögliche Duplikate vor und entwirft eine erste Antwort, jeweils als Vorschlag, den Sie annehmen oder ablehnen. Es ändert sich nichts, bis Sie es bestätigen.

Entwürfe

Eine Schaltfläche „Entwurf“ bei Mängel-Verläufen und Mitteilungen: Die KI schlägt den Text in korrekter Sie-Form vor, Sie bearbeiten und senden ihn. Es wird nie etwas von selbst verschickt.

Eigentümer-Assistent

Eigentümer können eine Frage stellen und erhalten eine Antwort, die sich nur auf die Dokumente stützt, die sie sehen dürfen. Die Antwort nennt ihre Quelle, und wenn es keine gibt, sagt sie „Ich weiß es nicht“.

Dieser Artikel erklärt, wie wir die Software bauen und wie die Arbeit üblicherweise organisiert ist. Er ist keine Rechtsberatung. Für eine Entscheidung, die von den Besonderheiten Ihrer Gemeinschaft abhängt, fragen Sie eine Anwältin oder einen Steuerberater.

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